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PS2

Scarface - The World is yours

Scarface - The World is yours [PS2 , Justgamers]

Gesamtwertung

91%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Scarface - The World is yours

 

 

Erinnert sich jemand von euch noch an Scarface? Der Streifen von Regisseur Brian de Palma hat zwar schon 23 Jahre auf dem Buckel, ist aber immer noch sehenswert und gehört inzwischen zu den bedeutendsten Mafiafilmen der Filmgeschichte. Der Film basiert auf der Erstverfilmung von Howard Hawks und stammt ursprünglich aus dem Jahre 1932. Die Geschichte des Films, in der es um den kubanischen Einwanderer Tony Montana – gespielt von Al Pacino – geht, ist zeitlich im Miami der 80er Jahre angesiedelt und erzählt von dessen Aufstieg und Fall in der Welt knallharter Gangsterbanden und der des Kokainhandels. Am Ende des Films wurde Tony getötet, was aber nicht heißen soll, dass er auch im Spiel tot ist. Im Gegenteil: In Scarface – The World is yours hat man kurzerhand das Filmende abgeändert.

Tony Montana ist tot – lang lebe Tony Montana

Die Handlung des Spiels setzt folglich genau dort ein, wo der Film im Jahr 1983 endete. Anders als im Film überlebt ihr diesmal, erledigt die Personen, die euch eigentlich in eurer Villa umgebracht hätten, und flüchtet. Die Flucht hinterlässt allerdings einen herben Beigeschmack: Da ihr ein Viertel Jahr später wieder ins Drogengeschäft einsteigen wollt, habt ihr nicht mehr das Sagen. Euer Ziel ist es nun, Tonys Ruf und Reichtum zurück zu gewinnen und euer Drogenimperium neu aufzubauen. Kein leichtes, sondern ein äußerst schweres Unterfangen!

Zu Beginn des Spiels befindet ihr euch ganz unten und müsst den undankbaren und dreckigen Job eines kleinen Drogendealers übernehmen. Da sich in Scarface - The World is yours hauptsächlich alles um Geld und Ansehen dreht, müsst ihr euer Gehaltkonto zunächst ordentlich aufstocken. Hierzu erhaltet ihr von eurem Kontaktmann Felix wichtige Informationen über Drogenlieferanten und neue verschiedene Aufträge, welche ihr anschließend in altbekannter GTA-Manier erledigt. Anfangs verdient ihr das nötige Kleingeld noch durch den direkten Straßenverkauf von bewusstseinserweiternden Substanzen. Habt ihr auf diese Weise genügend Kohle zusammengekratzt, könnt ihr diverse Lokalitäten – so genannte Frontshops, wie beispielsweise ein Fast-Food-Restaurant, übernehmen und diese anschließend dazu missbrauchen, die heiße Ware unter der Ladentheke zu verkaufen.

Zu eurer eigenen Sicherheit empfiehlt es sich allerdings, nachdem ihr ein Geschäft übernommen habt, dort weiteres Geld in Wachpersonal und Überwachsungsanlagen zu investieren. In der Gegend lauern nämlich überall gegnerische Banden, die nur auf eine Gelegenheit warten, eure lukrative Lokalität auszurauben. Je mehr ihr verdient und desto mehr Tony in seinem Ansehen aufsteigt, desto gefährlicher wird es für ihn. Die Drogenmengen, die im fortlaufenden Spiel geschmuggelt werden, werden nämlich immer größer. Schon nach kurzer Zeit verschifft ihr das Koks kiloweise von den südlichen Inseln nach Miami, wenn euch die patrouillierende Küstenwache keinen Strich durch die Rechnung macht.

Ist die Überfahrt gelungen, wird das weiße Pulver ins Lagerhaus verfrachtet und später in den Frontshops zu Barem gemacht. Um das Geld zu waschen, müsst ihr dem ortsansässigen Kreditinstitut einen Besuch abstatten, in dem ihr auch das laufende Spiel abspeichern könnt. Zudem wird dort euer Geld nicht nur rein gewaschen, sondern auch noch auf einem sicheren Konto gebunkert. Da das gesamte mitgeführte Bargeld bei eurem Ableben verloren geht, also ein enormer Vorteil, da die Kohle auf dem Konto bestehen bleibt.

Scarface = Narbengesicht

Und nun wären wir auch schon beim wichtigsten Punkt angekommen – eurer Sicherheit! Sicherheit gibt es in Scarface – The World is yours nicht. Ihr seid nämlich ein knallharter Gangster, der keine Zeitungen austrägt, sondern kiloweise Pulver vercheckt. Da liegt es auf der Hand, dass euch nicht nur die Bullen im Kreuz sitzen, sondern auch rivalisierende Gruppen an die Wäsche wollen.

Sollte es folglich einmal vorkommen, dass ein Coup nicht perfekt abläuft, was öfters vorkommen wird als euch lieb ist, müsst ihr euch verteidigen. Hier kommt dann das ausgeklügelte Kampfsystem mit seinem reichhaltigen Angebot an Waffenarsenal zum Einsatz. Im Kampf habt ihr die Wahl ob ihr auf die automatische Zielerfassung vertraut oder doch lieber die Kontrahenten freihändig aus dem Weg räumt. Entscheidet ihr euch für letzteres, erhaltet ihr mehr Balls. Ist die 100%-Marke der Balls erreicht, könnt ihr den Blind-Rage-Modus hinzuschalten. Dabei färbt sich der Bildschirm rot, das Spiel wechselt in die Ego-Perspektive und ihr seid für einen Moment unverwundbar.

Ist die Blind-Rage aktiviert, erhaltet ihr mit jedem niedergestreckten Gegner etwas Lebensenergie zurück, die euch zuvor vielleicht durch einige Treffer genommen wurde. Ein ziemlich cooles Feature, das unverkennbar an den Showdown der Filmvorlage erinnert.

Die Steuerung ist selbst in brenzligen Situationen gut gelungen und übertrifft sogar die des GTA-Pendants. Egal ob ihr Fuß oder mit verschiedenen Vehikeln wie Auto oder Schnellboot unterwegs seid, stets ist für eine gute und eingängige Spielbarkeit gesorgt. Wer mit dem Gewehr einmal rundum gefeuert hat, mit dem Schnellboot zu den kleineren Karibikinseln gebrettert ist oder mit dem Auto über eine Sprungchance gefahren ist und gleichzeitig in der Luft verschiedene Ziele unter Beschuss genommen hat, der wird verstehen was wir meinen.

Ein optischer und akustischer Präsentationshammer

Technisch gesehen gibt sich Scarface so gut wie keine Blöße und überholt sogar seinen direkten Kontrahenten GTA: San Andreas. Grafisch betrachtet müsste der Titel wohl endgültig alles aus der PlayStation 2 rausholen, denn er gehört mit zum Besten, das es jemals auf dieser Konsole zu bestaunen gab.

Die detaillierte Darstellung der einzelnen Hauptcharaktere, Tonys Villa, dem Babylon Club und vielen anderen zentralen Lokalitäten sucht ihresgleichen und wird wohl in dieser Konsolengeneration nicht mehr übertroffen werden. Lediglich bei den Nebendarstellern, die insgesamt mit weniger Polygonen aufwarten als die Hauptdarsteller, und den etwas zu einfachen Wassereffekten hätte man mehr Sorgfalt walten lassen können. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn den optischen Gesamteindruck trübt dies in keiner Weise und kommt zudem sogar der Spielgeschwindigkeit zugute. Auch akustisch tischt der Titel ordentlich auf: Neben ordentlichen Soundeffekten, die das Spielgeschehen begleiten, warten hier über 100 Songs aus den Bereichen Hip-Hop, Reggae, Rock, Country sowie 80er-Jahre Pop auf euch. Da dürfte für jede Zielgruppe eigentlich etwas Passendes dabei sein. Im Gegensatz zu GTA habt ihr zudem auch die Möglichkeit, die Musik weiter laufen zu lassen, auch wenn ihr nicht mehr hinterm Steuer eures Vehikels hockt. Erwähnenswert ist auch die stimmige Synchronisation, die glücklicherweise im Englischen belassen, mit professionellen Sprechern besetzt und mit deutschen Untertiteln versehen wurde. Hier wurde alles richtig gemacht.

Fazit

Wow, was für ein Hammer! Scarface – The World is yours gehört grafisch sowie akustisch mit zum Besten, das ich jemals auf der PlayStation 2 gezockt habe. Optisch zieht der Titel sogar an GTA: San Andreas vorbei, kann diesem in Bezug auf die Abwechslung und den länger anhaltenden Spielspaß jedoch nicht ganz das Wasser reichen. Trotzdem ist das Spiel deswegen keineswegs schlechter, sondern ist gerade wegen der etwas anderen Art der Unterhaltung für Fans der Filmvorlage und auch für Genreinteressierte ein Muss. An dieser Stelle muss aber noch erwähnt werden, dass die deutsche PAL-Version der Zensurschere zum Opfer fiel. Folglich fehlen im Spiel diverse Splattereffekte und auch die vom Film bekannte Kettensäge musste zwecks einer USK-Freigabe entfernt werden. Unterm Strich ist das aber nicht wirklich tragisch, da der Titel immer noch sehr hart ist und deshalb auch nur in Erwachsenenhände gehört.

3.11.06 17:36, kommentieren